DIE LINKE beantragt Kanalumbau für Stadtweiher und Grundwasser

Eigentlich wollen alle im Stadtrat das Gleiche: Den Stadtweiher erhalten und das Grundwasser schützen. Jetzt müssen wir das nur noch beschließen und der Abwasserbetrieb kann loslegen. Denn die Art und Weise, wie wir heute mit dem Regenwasser umgehen, hat große Auswirkungen.

Die Bodenversiegelung in Erkrath mit ihren Auswirkungen für das Grundwasser kann man zumindest etwas heilen. Statt wie bisher Regenwasser in Mischwasserkanälen schnell abzuleiten, soll Dachwasser mithelfen, den Stadtweiher aufzufüllen und das Grundwasser zu sichern.

In einem Antrag an den nächsten Betriebsausschuss am 2.12. beantragt DIE LINKE weitere Regenwassereinleitung in den Stadtweiher sowie die ihn speisenden Bäche. Der städtische Abwasserbetrieb soll dafür Möglichkeiten und Kosten ermitteln. Bereits geprüft ist die Möglichkeit zur Abkoppelung vom Mischwassersystem und Zuleitung in den Stadtweiher für 3300 m2. Das müssen wir jetzt einfach machen.

Klar ist: Der Stadtweiher braucht einen verbesserten Zufluss durch die ihn speisenden Bäche. Hier sind viele kleine Maßnahmen nötig, um die benötigten Volumina zu erreichen. Aber auch ohne die Situation im Stadtweiher ist mehr Versickerung auf dem Stadtgebiet und Einleitung in die Bäche für das Grundwasser nötig. Darüber muss man nicht neu nachdenken oder von Gutachtern bestätigen lassen, das kann man einfach machen. Das Hochdahler Kanalnetz muss in den nächsten Jahren sowieso schrittweise saniert werden.

Hier ist der Antrag:

  1. Der Abwasserbetrieb führt in 2022 die bereits im Sommer 2020 geprüfte Abklemmung aus dem Mischwassersystem von Entwässerung von Dachflächen mit Zuleitung in den Stadtweiher durch. (Email vom 09. September 2021)
  2. Der Abwasserbetrieb prüft kurzfristig und dann kontinuierlich Möglichkeiten und Kosten für die Einleitung von Dach- und Oberflächenwasser in den Stadtweiher, den Kattendahler Graben und den Sedenbach. Das gilt insbesondere für (Dach-) Flächen direkt am Stadtweiher, Hochdahler Markt und Arkaden, Bürgerhaus Hochdahl, Schildsheider Straße und Eichendorffweg. Geprüft werden auch Möglichkeiten in der Willbeck und Millrath. Dem nächsten Betriebsausschuss werden die Möglichkeiten vorgestellt.
  3. Der Abwasserbetrieb prüft im Zuge der anstehenden Kanalsanierungen grundsätzlich Möglichkeiten zur Auflösung von Mischwassersystemen zugunsten von Trennsystemen mit Versickerungsmöglichkeiten oder Einleitung in lokale Fließgewässer auf Erkrather Stadtgebiet.

Begründung:

Der Versiegelungsgrad durch Straßen, Parkplätze, Höfe, Wege und Terrassen hat in den letzten Jahren immer stärker zugenommen. Auch die direkte Ableitung der Dachwässer ist selbstverständlich. Die Probleme dieser „ableitungsbetonten Beseitigung” treten jedoch immer deutlicher zu Tage.

Die Folgen:

  • Verhinderung der Grundwasserneubildung unter versiegelten Flächen
  • Erhöhung der Abflüsse aus bebauten Gebieten und damit verbunden die Überlastung der öffentlichen Kanalisationssysteme
  • Verschärfung der Hochwassergefahr
  • Absinken der Wasserstände in Gewässern bis zur Austrocknung
  • Negative Folgen für das Kleinklima durch die Verringerung der natürlichen Verdunstung
  • Verschlechterung der Lebensbedingungen für Tiere und Pflanzen

Regenwasser gehört nicht in die Kanalisation, sondern soll dem Naturhaushalt möglichst direkt wieder zugeführt werden. Dies trägt zum Erhalt des Grundwasserhaushalts und der Bodenaktivität bei, auch die natürliche Verdunstung und damit das Stadtklima werden gefördert und verbessert.

§ 55 des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) fordert in seinen Grundsätzen der Abwasserbeseitigung:

(2) Niederschlagswasser soll ortsnah versickert, verrieselt oder direkt oder über eine Kanalisation ohne Vermischung mit Schmutzwasser in ein Gewässer eingeleitet werden, soweit dem weder wasserrechtliche noch sonstige öffentlich-rechtliche Vorschriften noch wasserwirtschaftliche Belange entgegenstehen.

Als ab den 60er Jahren Hochdahl als „Junge Stadt auf historischem Boden“ geplant und gebaut wurde, stand der Schutz von Grundwasser noch nicht ausreichend im Fokus der Stadtplaner. Mit dem Wissensstand von heute können und müssen wir anders planen und auch das Kanalsystem anders bauen.

Aktuell und konkret: Für den Stadtweiher sind zusätzliche Wassermengen zum Erhalt notwendig. Hier bringen viele „kleine“ Maßnahmen zusammen die nötigen Volumina.

Für die Sicherung und die Verbesserung des Grundwassers auf Erkrather Boden wird es nötig, bei allen aktuellen und zukünftigen Maßnahmen im Kanalbereich den hohen Versiegelungsgrad auszugleichen und Versickerung statt Ableitung zu unterstützen.

Ein Kommentar

  1. Der Gedanke Dachwasser zu nutzen ist gut. Zunächst sollte man errechnen, wieviel QM und Kubikmeter Wasser zur Verfügung stehen!
    Abgesehen davon, daß die neuen Abflusskanäle immense Summen kosten und Umbau-
    maßnahmen den Verkehr und die Wohnqualität behindern ( die Bauverwüstungen durch
    Lichtwellenkabel 8.2020 sind immer noch nicht beseitigt ), sind die Dachentwässerungen
    bei den meisten Häusern nur bis zum Keller getrennt geführt. Es müssten dort mit erheblichem Aufwand u. Kosten mehrere Rohre bis zum Regenwassersammelkanal
    verlegt werden. Die Füllung mit Trinkwasser wäre vielleicht billiger?
    MfG

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