Gesamtschule vor Neubau prüfen

Stellungnahme der Fraktion Die Linke im Rat der Stadt Erkrath

Der Brand an der Rankestraße hat die Stadt Erkrath vor eine weitreichende Entscheidung gestellt. Mit dem Gymnasium und der Realschule sind zwei weiterführende Schulen zerstört worden, die neu gebaut werden müssen. Die Fraktion Die Linke begrüßt ausdrücklich, dass beide Schulen einen modernen Neubau erhalten sollen. Gleichzeitig sehen wir in dieser Situation eine einmalige Chance, Schulstruktur, Kosten und pädagogische Qualität gemeinsam neu zu denken.

Nach bisherigen Einschätzungen wird der Neubau von zwei getrennten Schulen voraussichtlich mehr als 100 Millionen Euro kosten. Ein Totalunternehmer soll frühestens 2027 beauftragt werden. Diese zeitliche Perspektive eröffnet ausreichend Spielraum, um eine grundsätzliche Alternative ernsthaft zu prüfen: den Bau einer Gesamtschule an der Rankestraße.

Eine Gesamtschule als wirtschaftlich sinnvolle Lösung

Eine Gesamtschule kann im Vergleich zu zwei getrennten Neubauten erhebliche Einsparungen ermöglichen – sowohl beim Bau als auch dauerhaft im Betrieb. Nach bisherigen Hinweisen und unseren Schätzungen liegt das Einsparpotenzial bei rund 40 Millionen Euro.

Das zeigt auch der Blick auf vergleichbare Projekte. Die Gesamtschule Velbert wurde für rund 84 Millionen Euro gebaut, ist hochmodern, für etwa 1.300 Schüler*innen ausgelegt und wurde innerhalb von drei Jahren realisiert. Es gibt Totalunternehmer, die über umfangreiche Erfahrung mit genau solchen Schulbauten verfügen.

Bei zwei getrennten Neubauten fallen zwangsläufig doppelte Strukturen an, etwa für Verwaltung, Technik, Mensa oder Fachräume. Eine Gesamtschule hingegen ermöglicht:

  • ein gemeinsames, modernes Gebäude als Clusterschule,
  • niedrigere Bau- und Unterhaltungskosten,
  • nur eine Verwaltungsstruktur,
  • gemeinsame Nutzung von Mensa, Laboren und technischen Einrichtungen,
  • ein zentrales Facility-Management.

Betriebskosten senken, Auspendeln vermeiden

Ein weiterer zentraler Punkt sind die laufenden Kosten. Obwohl ein großer Teil der Erkrather Grundschulkinder beim Übergang in die weiterführenden Schulen eine Empfehlung wie „Gesamtschule oder …“ erhält, gibt es in Erkrath bislang keine Gesamtschule. Die Folge: Hunderte von Schülerinnen und Schülern pendeln täglich in Nachbarstädte.

Das verursacht:

  • hohe Fahrtkosten,
  • zusätzliche Belastungen für den städtischen Haushalt,
  • und nicht zuletzt einen erheblichen Verlust an Zeit und Lebensqualität für die Kinder und Jugendlichen.

Diese Kosten könnten durch eine eigene Gesamtschule dauerhaft reduziert oder ganz vermieden werden.

Pädagogische Vorteile für alle Kinder

Neben den finanziellen Aspekten sprechen auch pädagogische Gründe klar für eine Gesamtschule. Moderne Gesamtschulen ermöglichen:

  • zeitgemäße pädagogische Konzepte,
  • erleichterte Übergänge zwischen Bildungsgängen,
  • längeres gemeinsames Lernen,
  • und mehr Bildungsgerechtigkeit unabhängig vom sozialen Hintergrund.

Davon profitieren alle Kinder und Jugendlichen – unabhängig vom späteren Abschluss.

Elternwillen verbindlich ermitteln

Die Fraktion Die Linke hält eine Elternbefragung jetzt für erforderlich. Sie kann kurzfristig durchgeführt werden und ermöglicht es, den tatsächlichen Elternwillen klar, transparent und belastbar abzufragen.

Gerade bei einer Investitionsentscheidung in dieser Größenordnung ist es notwendig, die betroffenen Familien einzubeziehen und ihre Bedarfe ernst zu nehmen. Musterfragebögen liegen vor, der zeitliche Rahmen bis 2027 lässt ausreichend Raum für eine saubere Durchführung und Auswertung.

Auch die bestehende Planungsgruppe ist bereits gut eingearbeitet. Sie müsste lediglich eine weitere Variante für ein Raum- und Nutzungskonzept einer Gesamtschule entwickeln.

Ein starkes und ausgewogenes Schulangebot für Erkrath

Mit einer Gesamtschule an der Rankestraße könnte Erkrath sein Schulangebot zukunftsfähig und ausgewogen aufstellen:

  • ein modernes Gymnasium in Alt-Erkrath,
  • eine hochmoderne Gesamtschule in Hochdahl,
  • und eine Realschule, die in Erkrath bislang immer wieder um ihre Zweizügigkeit kämpfen musste und deren Situation bei einer Neustrukturierung offen und ehrlich mitgedacht werden muss.

So entstünde ein stabiles, attraktives Schulangebot, das den tatsächlichen Bedarfen der Familien gerecht wird.

Klare Haltung der Linken

„Wir reden hier über ein Projekt mit einem Volumen von deutlich über 100 Millionen Euro. Da ist es unsere Pflicht, alle sinnvollen Alternativen zu prüfen“, erklärt Daniela Bilobrk, schulpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Rat der Stadt Erkrath.
Eine Gesamtschule kann günstiger gebaut und deutlich wirtschaftlicher betrieben werden. Vor allem aber würde sie endlich das Angebot schaffen, das viele Familien in Erkrath seit Jahren nachfragen.

Unser Fazit

Der Neubau an der Rankestraße ist notwendig und richtig.
Aber zwei getrennte Neubauten dürfen nicht die einzige Denkoption sein.

Deshalb sagt Die Linke Erkrath klar:
Gesamtschule vor Neubau prüfen – jetzt.
Für die Kinder. Für die Eltern. Für einen verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Mitteln.

Gesamtschule Erkrath jetzt!